BU-Absicherung für Kinder – ab wann, wieso, was beachten?

by | 30.07.2022

Berufsunfähigkeitsversicherung? Die macht man dann, wenn man einen Beruf hat / eine Berufsausbildung beginnt!

Einer der größten Irrtümer in Bezug auf die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU).

Tatsächlich hat eine BU erstaunlich wenig mit „Beruf“ zu tun. Korrekt ist: es wird der Status bzw. die Lebensstellung abgesichert. Und die wächst. Ein Leben lang. Daher wächst auch eine BU ein Leben lang mit. Sie wird quasi von ganz alleine immer wertvoller.

Dies behandle ich aber in einem separaten Blog-Beitrag. Hier geht es um die Kinder.

Ab wann kann man eine BU für Kinder abschließen?

Stand heute (2026): Ab dem 6. Lebensjahr bzw. dem ersten Schultag.

Der Vollständigkeit halber: Es gibt auch sog. „Optionstarife“, die gehen teilweise ab Geburt. Sie sind jedoch keine BU, sondern nur eine das Versprechen darauf, dass das versicherte Kind später einmal ohne erneute Gesundheitsprüfung eine BU abschließen kann.

Ist schick, aber hier nicht das Thema.

Warum ist eine BU schon für Kinder sinnvoll?

Kurzfassung und mit Bezug auf gute Bedingungswerke:

  • niedriges Eintrittsalter, günstiger Beitrag, Einsparung von vielen tausend Euro
  • „Einfrieren“ des Gesundheitszustandes
  • gleichbleibend günstiger Beitrag, auch wenn später ein „gefährlicher“ Beruf ergriffen wird
  • je jung, desto gesund = die Türen stehen in jungen Jahren meist noch komplett offen
  • vereinfachte Leistungsfallprüfung und dadurch
  • enorme mentale Entlastung, wenn es ganz böse werden sollte

Wie schließt man solch eine BU ab?

Total easy: CHECK0815 oder ähnliche Portale aufsuchen, den günstigsten Anbieter auswählen, Gesundheitsfragen schnell durchklicken (einfach immer „Nein“ ankreuzen“) – erledigt!

So weit die Tipps für Vollpfosten und jenen, die ihre Kinder ziemlich scheisse finden.

Du gehörst nicht dazu? Dann lies weiter.

BU ist nicht gleich BU

Die Auswahl eines passenden Tarifs ist kein simpler Preisvergleich. Das ist Handwerk. Und zwar auf einem Niveau, bei dem selbst viele Vermittler aussteigen. Zumindest wenn man es richtig und der gebotenen Sorgfalt macht.

Nur ein Beispiel, wie schnell Du als Laie aufs Glatteis gerätst:

„Verzicht auf die abstrakte Verweisung!“. Das hast Du sicher schon mal gehört. Ist wichtig. Wirklich.

Die Versicherer wissen: Das hat jeder schon mal irgendwo gelesen und das wird als Qualitätsmerkmal gewertet.

Also Haken dran, oder?

Eben nicht. Für Schüler / Kinder gilt das oft plötzlich doch wieder! Da kommt die abstrakte Verweisung – ohne dass Du es erkennen kannst – durch die Hintertür wieder eingeschlichen.

Die Aussage auf dem Werbeprospekt stimmt dann grundsätzlich – im Speziellen aber wieder nicht. Ein ganz beliebter Trick 17.

Grundlegende Entscheidungen

Die handwerkliche Arbeit beginnt schon ganz vorne. Zuerst müssen wir unterscheiden, um wen es gehen soll:

  • einen 6jährigen Schüler oder
  • einen 17jährigen (Schüler) kurz vor Ausbildungsbeginn?

Klingt ähnlich, ist es aber nicht.

Denn: in der BU wird immer auf den zuletzt ausgeübten Beruf abgestellt. Ein „Beruf“ ist eine klar definierte Sache: „eine auf Dauer angelegte, der Schaffung und Erhaltung einer Lebensgrundlage dienende Tätigkeit„. Ein Schüler übt jedoch keinen solchen Beruf aus. Also erfinden die Versicherer Definitionen – und genau hier trennen sich Bullshit und echte Qualität.

Beim 6jährigen Schüler ist der Punkt geradezu kriegsentscheidend – beim 17jährigen ist sie dagegen geradezu egal.

Die technische Ausgestaltung

Als nächstes muss geprüft werden, welche Möglichkeiten hinsichtlich der technischen Ausgestaltung gegeben sind. Es sind max. 750 € BU-Rente möglich? Super, ein solcher Versicherer kann gleich in die Tonne – oder?

Nicht zwingend! Dieser Versicherer könnte sogar Teil einer klugen Zwei-Vertrags-Strategie sein.

Ich habe gerade von möglicherweise zwei BU-Absicherungen für eine Person gesprochen? Jup.

Verstehst Du nicht? Musst Du auch nicht. Wichtig ist, dass ich weiß, warum das sinnvoll sein kann und wie man so grobe Fehler vermeidet.

Definition Leistungsauslöser – der Zünder am Sprengsatz

Wie ist die Lebensstellung bei Schülern / Azubis / Studenten definiert?

Wie steht es um den Prognosezeitraum? 6 Monate oder 3 Jahre? Oder vielleicht sogar „auf ewig“? Und das, obwohl gleichen Bedingungswerk was von 6 Monaten steht?

Spoiler: Genau das ist einer der Dreh- und Angelpunkte für besonders „günstige“ BU-Absicherungen. Hier kann der Versicherer schon ganz weit vorne im Bedingungswerk dafür sorgen, dass er so gut wie nie leisten muss.

Das Feintuning – zurück in die Zukunft

Unsere Kinder entwickeln sich. Inkl. special effects.

Aus einem Einser-Abiturienten wird ein begeisterter Handwerker. Der belächelte Hauptschüler wird Unternehmer mit sechsstelligem Einkommen.

Kinderschuhe können nicht mitwachsen. Die müssen immer wieder neu gekauft werden. Eine gute BU kann aber mitwachsen. Von ganz alleine. Und das ist extrem wichtig – denn die kann man nicht einfach mal so immer „neu kaufen“.

Unerlässlich wichtige Stellschrauben:

  • Nachversicherungsgarantien (NVG) in ausreichendem Umfang
  • keine Benachteiligung von Schülern, Studenten und Azubis in Bezug auf diese NVG
  • keine Begrenzungen auf bestimmte Berufe
  • Option auf erneute Berufsgruppen-Einstufung ohne Nachteile
  • Günstigerprüfung
  • saubere Kalkulationsregeln bei Nutzung der NVG
  • vertraglich zugesicherte Hilfe bei Zahlungsschwierigkeiten
  • sauber formulierte Verlängerungsoption
  • weltweite Gültigkeit

Potentielle Fallstricke – oder: wie Dein Kind später garantiert leer ausgeht

„Versicherer winden sich immer raus!“ – äh, nein. Diese Aussage ist dumm. BU-Absicherungen sind rechtlich bindende Verträge. Es muss eingehalten werden, was einst vereinbart wurde – aber eben auch nur dies.

Wenn der Vertrag von vornherein negative Regelungen enthält, dann ist das ein ernsthaftes Problem.

Ein kleiner Blick ins Horrorkabinett gefällig? Gerne:

  • Es wird bei der Nachversicherungsgarantie (weiterhin NVG abgekürzt) nur auf die Gesundheitsprüfung verzichtet —> Gefahr der Beitragsexplosion
  • erneute Berufsgruppen-Einstufung nach x Jahren / bei Beginn der Ausbildung o. ä. —> Gefahr der Beitragsexplosion
  • enge Begrenzungen bei Ziehen der NVG – temporär, absolut und / oder relativ —> Gefahr einer Totgeburt
  • enge Grenzen bzgl. der Angemessenheit „Rentenhöhe vs. Einkommen“ —> Gefahr der späteren chronischen Unterversicherung
  • abstrakte Verweisung wird durchs Hintertürchen wieder eingeschleppt —> keine Leistung aufgrund Verweisung auf andere mögliche Tätigkeiten
  • negative Regelungen bei der Definition der Lebensstellung bei Azubis / Studenten —> keine Leistung aufgrund Verweisung auf andere mögliche Tätigkeiten
  • Verzicht auf die Anwendung des § 163 VVG —> Gefahr von behördl. verordneten Leistungskürzungen / temporärer Einstellung der Leistungen aufgrund finanzieller Schieflage des Versicherers (siehe § 314 VAG)
  • die BU-Definition wird zu einer EU (Erwerbsminderungsrente) bei Studienabbruch —> keine Leistung durch Verweisung auf andere mögliche Tätigkeiten
  • usw., usf… .

Verarsche? Nein. Halt, manchmal doch…

Versicherer kalkulieren Risiken. Das ist legitim. Aber manche kalkulieren so, dass sie möglichst selten leisten müssen

das sind dann gerne die, die im Preisvergleich ganz vorne stehen. Billig bedeutet dann aber auch billig.

Das massive Problem: Du kaufst hier kein Pferd, bei dem ein Mangel schon morgen auffallen kann. Bei einer Bu bemerkst Du den Fehler dann, wenn es Dir richtig beschissen geht. Oder Deinem Kind.

Dann ist es aber zu spät.

Fazit

Verwirrt? Du verstehst nur noch Bahnhof? Super. Dann merkst Du ja, worum es geht.

Eine BU-Absicherung für Kinder ist Gold wert. Aber nur, wenn sie richtig gemacht ist.

Die Komplexität ist verdammt hoch. Wo selbst einige „Experten“ scheitern, hast Du als Laie so gut wie keine Chance.

Die Werbung suggeriert natürlich was anderes. Da sagt man Dir, dass alles „ganz easy“ sei.

Der Wert eines fachlich versierten Beraters

Wenn Dir Dein Kind egal ist, nimm die billigste BU. Passt dann schon.

Wenn nicht, dann mach es richtig und triff eine Entscheidung, die über einen primitiven Preisvergleich hinaus geht.

Wie das mit uns geht, kannst Du in den kommenden tagen auf meiner Facebook-Seite lesen. Da starten wir eine temporär begrenzte Kinder-BU-Aktion. :o)